There is Only One Solution – Call the Polizei!

Postkoloniale Tragikomödie und Ode an den guten alten Judenhass

„There is Only One Solution – Call the Polizei!“ ist ein satirischer Theaterabend des Kollektivs Amt für Darstellende Künste. Inspiriert von Molières „Tartuffe“ erzählt die Inszenierung von einer Berliner WG, in der alte Vorurteile, moralische Selbstgewissheit und politische Posen aufeinanderprallen. Was zunächst wie eine komische Versuchsanordnung wirkt, wird zunehmend zu einer bitteren Auseinandersetzung mit Antisemitismus, der sich als Israelkritik tarnt.

Im Zentrum steht Jasmina, eine Studentin, die im Leben alles richtig machen möchte. Sie teilt ihre Eigentumswohnung in Charlottenburg mit ihrem besten Freund Manu und nimmt spontan den Aktivisten Jonathan auf, um ihren Beitrag zur vermeintlich gerechten Sache zu leisten. Als bekannt wird, dass ihre Haushaltshilfe Natalya Verwandte in Israel hat, kommt der Krieg endgültig im Wohnzimmer an. Sprache, Bilder, Schlagworte und politische Gewissheiten beginnen, das Zusammenleben zu bestimmen.

Das Stück fragt, wie antisemitische Stereotype in zeitgenössischen Milieus weiterwirken, welche Rolle Sprache und Selbstinszenierung spielen und warum der alte Judenhass immer wieder neue Formen findet. Die Komödie wird dabei nicht zur Entlastung genutzt, sondern als scharfer Spiegel: Sie macht sichtbar, wie schnell Empathie selektiv wird und wie politische Parolen konkrete Menschen unsichtbar machen können.

Gezeigt wurde die Produktion im Oktober und November 2025 in der Brotfabrik Berlin. aMensch e.V. war als Kooperationspartner beteiligt. Die Aufführungen verbanden künstlerische Auseinandersetzung mit öffentlichem Gespräch: Im Anschluss fanden Publikumsgespräche mit geladenen Expert*innen statt. Dadurch entstand ein Raum für Reflexion, Einordnung und Austausch über Antisemitismus nach dem 7. Oktober, über linke Milieus, Kultur, Sprache und Verantwortung.